Mittwoch, 15. August 2012

Die Donau und ihre Hochwässer in der Gemeinde Ardagger

Nr. 319 -1. April 1997 -22. Jahrgang

Die Donau und ihre Hochwässer in der Gemeinde Ardagger
von Karl Kneissl

Kurz zur Donau: Die Donau ist der zweitgrößte Strom Europas, mit einer Länge von 2.850 km. Es fließen in der Gemeinde Ardagger bei Mittelwasser ca. 1.800 m3 Wasser in der Sekunde durch. Bei großen Hochwässern vier- bis fünfmal mehr. Die Donau ist der einzige Fluss in Europa, bei dem die Kilometer von der Mündung herauf gezählt werden. Bei der Mündung ist sie bis 1,3 km breit, und es fließen im Mittel in der Sekunde bei 6.500 m3 Wasser ins Schwarze Meer.

Da der Rhein viel tiefer liegt als das Quellgebiet der Donau, verliert die Donau, wie Färbeversuche bewiesen haben, beim Donaudurchbruch (Landkreis Donaueschingen) Wasser zu Gunsten vom Rhein. Diese Kleinigkeit wirkt sich natürlich nicht aus.

Vor dem Bau der Donau-Kraftwerke hatte die Donau in der Gemeinde Ardagger eine Geschwindigkeit von ca. 2m/sec, die sich bei Hochwasser im Strudengau bis über 3m/sec. erhöhte. An der Mündung hat sie nur mehr 20 bis 50 cm/sec Geschwindigkeit. Wurden an der Oberen Donau durch die größere Geschwindigkeit kleine Felsbrocken, große Steine, Kieselsteine, feiner Kies, grober Sand, feiner Sand und Schlamm mitgeführt, so sind es seit dem Bau der Kraftwerke hauptsächlich nur mehr Kies, Sand und Schlamm.

Wie viele Kulturen wie viele Sprachen und Völker­schaften leben doch an diesem Strom und leben von ihm Ist es am Oberlauf das Kreuz Christi, das den Mensch zu Gott und dem Guten führt, so glauben am Unterlauf die Moslems, dass Allah das Geschick bestimmt. Der Wasserweg wurde schon in frühester Zeit als Verkehrs- und Handelsweg benützt, so auch von den Kreuzfahrern in den Jahren 1146, 1172 und 1187.

Aber auch für Napoleon mussten in den Jahren 1 805 und l809 für seine Divisionen am Donauweg viele große Schiffe zur Verfügung gestellt werden. Traurig endete die Fahrt der über 200 Schwäbler Mädchen, die zu Pfingsten 1817 am Donauweg zu den deutschen Junkern an die Wolga nachfahren wollten. Nur einige kamen an, die meisten starben schon an der unteren Donau an Malaria. Damals entstand das Lied: "Das Schifflein schwingt sich doni vom Lond, adje mein liebes Heimatlond".

Seit der Gründung der Ersten-Donau-Dampfschiff­fahrtsgesellschaft 1830 wird die Donau auch mit Dampfschiffen befahren Seit Fertigstellung des Rhein-Main-Donaukanals wird die Donau internatio­nal von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer be­fahren. Mögen Wirtschaftlichkeit und Frieden diesem einst so umkämpften Strom dienlich werden.

Donau Hochwässer
Man unterscheidet kleine, mittlere und große Hoch­wasser. Die kleineren Hochwässer waren sehr häufig, oft jedes Jahr ein paarmal. Sie fluten sehr oft die Gräben und die niedere Au. Bürgermeister Biberauer ließ daher 1914 im Gemeindegebiet von Ardagger Auslaufgräben schaufeln.. damit das Wasser von den Wiesen und ihren Gräben schnell wieder abfließen konnte. Die Auslaufgräben wurden dann mit Brettern verschlagen und so dicht gemacht. Man konnte damit kleinere Wässer vom Auland freihalten. Im „Allerl" sind noch einige solche Gräben sichtbar. Nun schützt das Pumpwerk vor kleineren Überschwemmungen.

Die mittleren Hochwässer erreichten meist schon das Untergeschoß der Häuser und brachten Sorgen und Schaden in Haus. Garten und Flur. Nach kalten Wintern war besonders in Verbindung mit Hoch­wasser das Abgehen der Eisstöße gefürchtet. So fand man nach der Wintergrieß vom 3. Februar 1862 noch zur Sonnenwende Eisschollen im Auwald. Riesiger Schaden an Bäumen und Häusern entstand. Dieses Winterhochwasser war nur um 30 cm niedriger als jenes von 1954. 1328 stand der Eisstoß 17 Wochen lang und brachte dann furchtbaren Schaden. Es folgten die Katastrophenjahre mit kalten Wintern und riesigen Überschwemmungen im Frühjahr. Kalte regnerische Sommer verdarben 1337 die ganze Feldfrucht, 1338 war dann ein Erdbeben, und auch Heuschreckenschwärme vernichteten ganze Land­striche. Drei Jahre dauerte die Bekämpfung der Heuschrecken. Aber auch von der Dohlenplage schreibt die Chronik. Im Jahre 1349 kam dann noch die Pest. Ein Fünftel der Bevölkerung wurde hin­weggerafft. Die Sekte der Geißler durchzog das Land und mahnte zur Buße. Der letzte große Eisstoß war 1929 und reichte von Ungarn bis Melk. Im Jahre 1963 erreichte anfangs Februar der letzte hier bekannte Eisstoß vom Kraftwerk Ybbs herauf Tiefenbach.

Gefürchtet waren auch die Dauerhochwässer (Sommergießen), so war 1965 die Au 3 Wochen lang vom Wasser überflutet. 1926 glaubten sich 2 fran­zösische Flugzeuge am Weg in die Ukraine verflogen zu haben, und landeten zur Orientierung auf den Feldern Fuchshof Kirchfeld mit ihren Doppeldeckern.

Aus der Chronik sind vom 11. Jahrhundert bis heute über 60 außerordentliche Hochwässer bekannt (z.B. 15.8.1501, 1558 und die Allerheiligengieß 1787). Diese Hochwässer rissen ganze Ortschaften weg, so auch 1787 das Dorf Untersaxen, bei Stromkilometer 2086,3 gelegen (oberhalb vom Hochausporn). Aber auch der Bauer Dürnberger Mathias musste sein Haus bei der Paradeislacke aufgeben und erwarb das Haus Markt Ardagger Nr. 38 (Steinhauser). Der Brunnstein dieses Hauses war noch bis um 1930 zu sehen.

Laut Angabe der Hochwassermarkierung Grein war, zum Vergleich 1954, das Hochwasser vom 2.8.1897 um 5cm kleiner, vom 17.9.1899 um 8cm höher und am 1.1.1787 um 110cm höher. Damit wäre es ca. 50 cm über den Hochwasserschutzdamm gelaufen. Laut Hochwassermarkierung in Melk und Passau war das Hochwasser vom 15.8.1501 das höchste bekannte Donauhochwasser überhaupt (um 2 m höher als 1954). Durch das Heraussprengen des Schwallecks bei Grein konnte der Wasserdurchlauf wesentlich erhöht werden, was den Rückstau ins Machland günstig beeinflusst. Man schätzt um 1 Meter. Das Hochwasser vom 4.8.1991 war um 102cm kleiner als 1954.

Was Sorgen macht, sind die Auflandungen im Augebiet nach jedem Hochwasser, dass die Schutz­wälder das Wasser nicht mehr so halten können und durch die Bach- und Flussregulierungen das Wasser viel schneller kommt. Auch der Temperaturanstieg auf der Erde wirkt sich nachteilig aus. Hoffen wir, dass nicht zu viele Katastrophenhochwässer kommen!

Markt Ardagger, Stephanshart 
Kaum ein Gebiet ist mit der Donau so schicksalhaft verbunden wie die Orte Markt Ardagger und Stephanshart. Durch den verdienstvollen Einsatz von Altbürgermeister Ökonomierat Karl Amon wurde durch den aktiven und passiven Hochwasserschutz den Bewohnern im Hochwassereinzugsgebiet Schutz und Sicherheit gebracht: Durch den Schutzdamm und die Aussiedlung wird nun vielen Menschen und Häusern Unheil erspart.

Wenn man von der Nikolauskirche in Markt Ardagger hinunterblickt in das nun von Häusern beinahe freie Augebiet, den geschützten Markt betrachtet, kann man sehr froh und zufrieden sein. Vom Markt werden durch die Erhöhung im Osten die kalten Winde abgehalten, wo schon die Römer Weinbau betrieben konnten Der Name Ardagger: Art Acker Gelände auf dem Weinbau betrieben wird weist ja darauf hin. im Westen schützt, so Gott will, für immer der Hochwasserschutzdamm die Bewohner von Markt Ardagger. Der Name jenes Mannes, der durch seine Verhandlungskunst und Ausdauer den aktiven und passiven Hochwasserschutz erreichte, wird für immer am Gedenkstein beim Donauufer zu lesen sein: "Ökonomierat Bürgermeister Karl Amon!"


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