Freitag, 23. Dezember 2011

Ulmerfeld-Hausmening - Lage, Geschichte, Bedeutung

Nr. 55 - 1. November 1976 - 5. Jahrgang

ULMERFELD - HAUSMENING
Lage, Geschichte, Bedeutung
(verfass von Amtsinspektor Gerhard Smekal)

Südwestlich von Amstetten, am rechten Ufer der Ybbs, an der Bundesbahnstrecke Amstetten-Selzthal, liegt Ulmerfeld-Hausmening. Von der gleichnamigen Bahnstation aus gelangt man in 10 Gehminuten in den ehemaligen Markt Ulmerfeld, malerisch am Rande eines steilabfallenden Alluvialplateaus gelegen, das sich über der Talsohle der Ybbs etwa 28 Meter erhebt. Der Ort bildet mit der Kirche und dem Schloss ein regelmäßiges Viereck, ist mit einer schon verfallenen Mauer und auf drei Seiten mit erheblichen, trockenen Schanzen umgeben. Mit diesen Anlagen repräsentiert sich ausgesprochen das mittelalterliche Gepräge von Ulmerfeld. Über die sogenannte Fabiansleiten gelangt man nach Hausmening, wo Bahnhof und Bahnstation liegen. Hausmening liegt in der Ybbsniederung. Die Ortschaft bildet einen Großteil des Fabriksviertels und verdankt ihre rasche Entwicklung und Entstehung der Papierfabrik. Das etwas höher liegende Dorf Hausmening, einst eine Burganlage, heute eine Bauernsiedlung, war die anfängliche Gemeinde, zusammen mit der Rotte Stein.

Seit 1 . Jänner 1972 ist Ulmerfeld-Hausmening nach Amstetten eingemeindet.

Ulmerfeld-Hausmening zählt 3.076 Einwohner, 576 Häuser und hat ein Flächenausmaß von 5,83 km².

Geschichte:
Nach Schweickhardt (Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns, Wien 1837 - 40 in 37 Bänden) soll sich einst an de Stelle von Ulmerfeld das "Castellum-Mauricum" der Römer befunden haben.

Eine im Juni 1974 durchgeführte Vermessung des Ulmerfelder Schlosses durch den emeritierten Präsidenten des Vereins für Landeskunde von Wien und NÖ, Universitätsprofessor Dr. Adalbert Klaar, unter Mithilfe des wissenschaftlichen Konsulenten Anton Mitmannsgruber, konnten jedoch keine Bauteile aus der Römerzeit festgestellt werden. Ebenso gibt es auf dem Boden des Marktes keinerlei Anzeichen einer römischen Besiedlung, wie anlässlich seiner Kanalisierung festgestellt werden konnte. Es wäre jedoch möglich, dass anstelle des Schlosses ein hölzerner Wachturm mit Graben und Wall bestanden hat, denn in unmittelbarer Nähe, in der Ybbsniederung, ist die örtliche Benennung "Stein", eine uralte Bezeichnung für einen Flussübergang, urkundlich nachweisbar. Im Jahre 1966 wurden dort von Frau Dr. Mossler, Bundesdenkmalamt Wien, Römergräber aus dem 1. bis 2. Jh. freigelegt. Auf diesem Übergang übersetzte die römische Etappenstraße Wiener Becken-St.Pölten-....-Steinakirchen-Euratsfeld-Ulmerfeld die Ybbs, um bei Mauer an der Url in die Limesstraße einzumünden. Die Befestigung hätte die Aufgabe gehabt, den Flussübergang zu schützen bzw. zu sperren. Der Ort hatte eine vortreffliche Lage zur Verteidigung, da er von keiner benachbarten Anhöhe beherrscht werden konnte. Diese Furt ist heute noch gut erkennbar, und das dort befindliche Haus führt seit dem Jahre 1305 nachweislich den Hausnamen "Furtner".

In unmittelbarer Nähe konnten am 13.2.1973 von Frau Dr. Leopoldine Pelzl‚ Korrespondentin des Bundesdenkmalamtes, mehrere Slawengräber geborgen werden, die bei der Herstellung des Freibades für Ulmerfeld-Hausmening durch Baggerarbeiten der Baufirma Alois Leitner freigelegt wurden. Auf die römische Siedlung folgte also die slawische. Den Männern wurden Waffen (Lanzen, Eisenmesser, Feuerstein) in diese Gräber mitgegeben, das heißt, es waren freie, nicht hörige Leute.

Die Endung des Marktnamens auf -feld zeugt von ältester bairischer Kolonisation. Die erste urkundliche Nennung von Ulmerfeld erfolgte am 16. August 995. Damals erhielt das Bistum Freising in Bayern unter Bischof Gottschalk im Tauschwege von Kaiser Otto. III. 6 Königshufen in "Zudamaresfelt an der Ybbs". Der Ortsbenennung liegt der Personenname "Udomar" zugrunde. Damit hatte das Bistum Freising im Ybbstal Fuß gefasst. Der Grundstock zur späteren Hochfürstlichen Freisingischen Herrschaft Ulmerfeld war damit gelegt. Schon ein Jahr später kommt es zu einer bedeutenden Besitzerweiterung des Ulmerfelder Herrschaftsgebietes. Auf Bitten seines Vetters, des Herzogs Heinrich IV. von Bayern, schenkte Kaiser Otto III. dem Hochstift Freising 30 Königshufen in Neuhofen. Diese Schenkungsurkunde ist deshalb so bekannt geworden, weil in ihr der Name "Ostarrichi-Österreich" erstmalig urkundlich erwähnt worden ist. Ulmerfeld wurde also Mittelpunkt einer ausgedehnten Grundherrschaft. Deren Grenzen waren etwa um 1316 im Westen die Ybbs von Kröllendorf abwärts, im Norden ebenfalls der genannte Fluss bis zur Mündung des Leutzmanns-(=Seisenegger-)baches, im Osten der Ferschnitzbach und im Süden die Erhebungen des Reidlingberges, des Randegger Hochkogels und des Hochpyra sowie des Zauchbaches bis in die Gegend von Kröllendorf. Im Jahre 1160 wurde das erste Urbar vom Freisinger Bischof Albrecht I für die Herrschaft angelegt. Es ist - abgesehen vom Güterverzeichnis des Salzburger Bischofs Arno, um 800 - das älteste Urbar Österreichs. Für Ulmerfeld sind darin ein Maierhof und drei abgabepflichtige Güter verzeichnet.

Um das Jahr 1250 bekam der Bischof von Freising die Pfand- und Zehentrechte für Ulmerfeld und Neuhofen und übergab dafür das Marktrecht von Ardagger an das Hochstift Passau. Dieses stattete Amstetten mit dem Marktrecht aus. Das Bistum Freising war durch eine Schenkung Heinrich III. am 7.1.1049 in den Besitz von Ardagger gekommen. Kirchlicher Mittelpunkt des freisingischen Herrschaftsgebietes Ulmerfeld wurde Neuhofen, etwa 3 km von Ulmerfeld entfernt, Ulmerfeld blieb bis zum Jahre 1803 Vikariat.

Am 4.4.1265 verlieh König Ottokar dem Freisinger Bischof Konrad II. das Landgericht in Ulmerfeld. Seit dem Jahre 1316 wird Ulmerfeld als Markt bezeichnet. Im Jahre 1321 wurde unter Ausnützung der Gräben und Wälle des möglicherweise römischen Erdkastells an dieser Stelle das herrschaftliche Schloss erbaut. Dieses galt als Amtssitz des herrschaftlichen Pflegers und war Verwaltungszentrum der Herrschaft. Im Schloss befindet sich eine Kapelle, die in gotischem Stil erbaut ist. Sie war dem hl. Ulrich geweiht. Ihre Wandmalereien sind kostbar; sie stammen von einem oberitalienisch geschulten Maler aus dem Jahre 1350.

Die Herzöge Albrecht und Otto verliehen im Jahre 1337 Ulmerfeld einen Wochenmarkt. Die Ulmerfelder Bürger und Untertanen schützten ihren Markt durch Errichtung einer 2 Meter hohen Mauer, die mit drei Tortürmen, Graben, Wall und zwei Zugbrücken verstärkt war. Die Söldner des Ungarkönigs Mathias Corvinus belagerten und brandschatzten Ulmerfeld und seine Umgebung. Türkische Streifscharen konnten den befestigten Platz nicht einnehmen. Aber die Pestseuche wütete im Ort.



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