Donnerstag, 22. Dezember 2011

Kirchengründungen im mittleren Bezirk Amstetten um 1100

Nr. 45 - 1.Jänner 1976 - 5. Jahrgang

Kirchengründungen im mittleren Bezirk Amstetten um 1100
Von P. Benedikt Wagner, Seitenstetten

Von Amstetten ausgehend, erreichen wir heute in westlicher Richtung der Reihe nach die Kirchorte Öhling, Aschbach, Krenstetten, Seitenstetten, St.Peter, St.Johann in Engstetten und Weistrach. Davon ist Aschbach karolingischen Ursprungs und Weistrach der Sache nach schon 903 bezeugt, während St. Peter in der Au und Öhling für das 12. Jh. noch nicht als Kirchorte nachweisbar sind. Alle diese Orte fallen daher nicht unter unser gestelltes Thema.

Von den übrigen Kirchorten haben alle einen Namen, der mit -stetten zusammengesetzt ist und um 1110 erstmals bezeugt wird: Amstetten 1111 (1,1,45), Krenstetten 1116 (1,3,302), Seitenstetten 1109 (1, 6,106) und St.Johann in Engstetten um 1110 (1,3,189). Zur selben Zeit werden aber auch noch andere Kirchorte dieser Gegend erstmals genannt: Allhartsberg 1116 (1,1,30), Biberbach 1116(1,1,159) und Stephanshart 1111 (1,6,182). (Weigl hält zwar die marca St. Stephani des Jahres 903 für Stephanshart, doch hat OSR. Steinkellner nachgewiesen, dass damit die Stephanspfarre Weistrach gemeint ist.) Es ist kaum zu glauben, dass alle diese sieben Kirchorte durch bloßen Zufall nicht schon früher genannt werden und dass vier von ihnen rein zufällig mit -stetten zusammengesetzt sind. Viel eher ist anzunehmen, dass wenigstens einige dieser Orte erst damals eine Kirche erhielten, ja dass der eine oder andere von ihnen erst damals entstand und seinen Namen bekam.

Zusammenhänge ergeben sich ja auch aus den Umständen ihrer ersten Nennung:
Amstetten und Stephanshart scheinen in ein und derselben Urkunde erstmals auf, in der Bischof Ulrich von Passau die Besitzungen des Stiftes St. Florian bestätigt und dabei auch einen Zehent in Amstetten und Stephanshart erwähnt (2,140). Der Zehent war eine Kirchenabgabe und sollte vor allem dazu dienen, die Seelsorge materiell aufrechtzuerhalten. Wenn also hier von Zehenten zu Amstetten und Stephanshart die Rede ist, dann lässt das vermuten, dass diese Orte schon damals eine Seelsorgskirche besaßen.

Für Amstetten wird ja auch bereits 1188 ein Pfarrer genannt (OSR. Steinkellner, ms.), und Stephanshart wird um 1140 ausdrücklich als Pfarre bezeichnet (3,568, Steinkellner). Stephanshart hat aber seinen Namen sehr wahrscheinlich von seinem Kirchenpatron und wurde also wohl mit seiner Kirche gegründet. Geschah dies erst um 1100? Jedenfalls haben wir keinen Beleg für ein höheres Alter. Allhartsberg, Biberbach und Krenstetten werden auch in ein- und derselben Urkunde des Bischofs Ulrich von Passau erstmals genannt. Er schenkte 1116 die Mutterpfarre Aschbach mit ihren Filialkirchen Allhartsberg, Biberbach und Krenstetten dem Stifte Seitenstetten (4,3). Hier ist also ausdrücklich von Kirchen an diesen Orten die Rede. Außerdem hat Biberbach wiederum den hl. Stephanus als Kirchenpatron. Dem hl. Stephanus war aber die Passauer Domkirche geweiht. Wenn also Stephanshart, Biberbach und auch Amstetten diesen Heiligen zum Patron haben, dann hat bei ihrer Kirchengründung Passau zumindest maßgeblich mitgewirkt. War es Bischof Ulrich? Seitenstetten wird in einer Passauer Schenkungsnotiz vom 24.April 1109 erstmals erwähnt (4,1). Sie berichtet, Reginbert von Hagenau und Udalschalk von Stille hätten in Seitenstetten ein Chorherrnstift gegründet und der Diözese Passau übergeben. Chorherrnstifte pflegten auch die Seelsorge jener Pfarre zu übernehmen, in der sie lagen. Seitenstetten aber ist 1142 als Filialkirche der Pfarre Wolfsbach bezeugt (4,5). Die Kirche dieses kurzlebigen Chorherrnstiftes ist die heutige Friedhofskirche St. Veit in Seitenstetten. Sie hat denselben Patron wie die Mutterkirche Wolfsbach. Aus dieser ungewöhnlichen Tatsache, dass hier Mutter- und Tochterkirche das gleiche Patrozinium haben, ziehe ich den Schluss, man habe hier überhaupt geplant, die Seelsorgsstation der großen Pfarre Wolfsbach in das zentralere Seitenstetten zu verlegen. So wird es auch verständlich, dass Bischof Ulrich damals dem Chorherrnstift den Zehent der Pfarre Wolfsbach, der doch vor allem der Wolfsbacher Seelsorge dienen sollte, schenkte. Also auch in Seitenstetten war Bischof Ulrich maßgeblich beteiligt.

Mit ihm stehen also sechs von den sieben Erstnennungen um 1110 im Zusammenhang. Er leitete die Diözese von 1092 bis 1121 und war kaum weniger reformfreudig als sein Vorgänger, der hl. Altmann. Wenn er z.B. dem Stifte Seitenstetten 1116 Aschbach mit allen Filialkirchen schenkte, dann konnte er dies als gewissenhafter Oberhirte jedenfalls nicht aus bloßer Freundschaft und Geberlaune tun, sondern er tat es wohl in der Hoffnung, dass hier das Stift Seitenstetten als nächstgelegene größere kirchliche Institution im eigenen Interesse wie auch im Interesse der Diözese die Seelsorge in Aschbach und seinen Filialen aufrechterhalten und womöglich noch ausbauen werde. (Darum versprach er dem Stift euch alle noch zu erbauenden Filialkirchen von Aschbach). Ich möchte also annehmen, dass Bischof Ulrich den Anlass gab, in der Pfarre Aschbach Filialkirchen zu gründen, und nachdem nun die erste Etappe dieses Ausbaues der Pfarre vollendet war, Aschbach samt seinen Filialen dem Stifte schenkte, damit es sein Werk fortsetze.

Etwas anders liegen die Verhältnisse bei St.Johann in Engstetten:
Es wird erstmals in einem Verzeichnis jener Güter genannt, die Markgraf Ottokar von Steyr dem Stift Garsten übergab. Darunter befanden sich auch "zu Engstetten zwölf Höfe, die eine gewisse Frau namens Bertha zur Kirche des hl. Johannes des Täufers übergab und alles zusammen hierher (nach Garsten) zum Altar der hl. Maria bestimmte" (2, 135). Vielleicht ist die ziemlich unklare Stelle so auszulegen, dass damals von Garsten aus (dessen Pfarrkirche übrigens ebenfalls dem hl. Johannes dem Täufer geweiht war) in Engstetten eine Taufkirche zu Ehren des hl. Johannes gegründet wurde und dass diese Frau durch die Hand des Markgrafen dem Kloster zum Bau und zur Erhaltung dieser Kirche zwölf Höfe überließ. St. Johann wird ja 1142 auch noch nicht unter den Filialkirchen Wolfsbachs genannt und scheint daher erst später Wolfsbach unterstellt worden zu sein. Markgraf Ottokar hat also wohl die Passauer Reformbischöfe nicht bloß als Klostergründer von Garsten zum Vorbild genommen, sondern auch durch Mithilfe an der Errichtung einer Seelsorgskirche in Engstetten.


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