Donnerstag, 22. Dezember 2011

Auf der Plaika in der Pfarre Winklarn

Nr. 92 - 1 Dezember 1979 - 8. Jahrgang

AUF DER PLAIKA IN DER PFARRE WINKLARN
(verfasst von Amtsinspektor Gerhard Smekal)

Wenn man von Ulmerfeld nach Winklarn den Abkürzungsweg durch den sogenannten "Wilden Graben" benützt, kommt man beim "Bloaka-Häusl" wieder auf die Bezirksstraße. Dort steht eine Marienkapelle neben einer 600 jährigen, naturgeschützten Eiche.

In einer Urkunde vom 5. Juli 1553 wird ein Georg Aigner, Untertane des Erlaklosters, als Besitzer des Bauernhauses auf der Plach oder "Plaickha" genannt (Stiftsarchiv Seitenstetten A 99/55).

Die örtliche Benennung wird vom mittelhochdeutschen bleike -"Ort, wo nacktes Erdreich zu erblicken ist" oder "offener Platz", abgeleitet. Dieses Bauernhaus ist im Jahre 1841 gänzlich abgetragen worden. Die Wirtschaftsgründe wurden nach Winklarn, Schulreith Nr. 64, einverleibt, da die Tochter dorthin heiratete.
Das derzeitige "Bloaka Häusl", Winklarn 63, wurde im Jahre 1870 als Lazarett für Cholerakranke erbaut. Nachher war es bis zum Jahre 1975 vermietet.

Die Kapelle daneben wurde 1896 errichtet, vorher stand an dieser Stelle ein hölzernes Wegkreuz mit Bild. Wallfahrer machten alljährlich hier Station und übernachteten im benachbarten Schulreith. Vom Bildnis beim Schulreither in Winklarn erzählt Volksschuldirektor Resch im "Mostviertler Sagenbüchlein", Seite 30, folgendes:

"Die "Schulreuth", ein stattliches Bauernhaus auf der Anhöhe südlich von Winklarn, hat ihren Namen wahrscheinlich davon, dass in früheren Jahren eine Baumschule neben dem Bauernhause gepflanzt war. Der jetzige Besitzer Karl Herbst führte mich in den "Troad-kasten", um mir ein Bild zu zeigen, mit dem es folgende Bewandtnis hat:

Auf Holz gemalt und schon ziemlich verblichen, stellt es die Hl. Dreifaltigkeit mit der schmerzhaften Muttergottes von Maria Taferl dar. Rechts von der Muttergottes ist St. Leonhard und links St. Sebastian zu sehen. Im linken Auge des Marienbildes ist eine kleine Vertiefung von bräunlichem Aussehen. Der Besitzer erzählte mir folgendes: "Dieses Bild befand sich einstmals in der Bloaka, einer Ried seines Grundbesitzes. Heute steht ein Kreuzstöckl dort. Ein Bürger von Ulmerfeld lebte vor langer Zeit in recht ärmlichen Verhältnissen. Er, seine Frau und die große Kinderschar hatten nicht viel zu beißen und zu nagen. Was Wunder, wenn er sich in einer üblen Stunde von einem Mitglied des Räubergesindels in der Heide zu anfänglich kleinen Streichen verleiten ließ? Mitgefangen mitgehangen! Bald gehörte er der Bande an und beteiligte sich auch an den großen gemeinsamen Raubzügen. Eines Nachts wurde ein reisender Kaufmann von der Bande in der Heide angefallen. Im Handgemenge erschlug das neue Bandenmitglied den Reisenden. Diese ruchlose Tat brachte aber die Wandlung des Räubers. Er lief ohne Beute davon, gepeinigt von den Qualen der Reue, irrte er im Wald umher. Seine Seelenangst trieb ihn zum Bildstock der Muttergottes in der Bloaka, um dort Ruhe zu finden. Dabei rutschte er auf den Knien durch den "Wilden Graben" zum Bildstock hin, verrichtete dort ein inbrünstiges Gebet um Erlösung von seiner schrecklichen Sünde und küsste das Bild der Gottesmutter auf den Mund. Durch das oftmalige Küssen wetzte er mit seiner großen Nase die Vertiefung am linken Auge der Gottesmutter aus und bräunte diese Einbuchtung, weil er ein leidenschaftlicher Schnupfer war, dabei mit Schnupftabak".

Heute ist das "Bloaka Häusl" eine Heimstätte für die Pfadfinder-Rover aus Ulmerfeld. In vielen Freizeitstunden haben es die Rover geschmackvoll adaptiert.


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