Mittwoch, 15. August 2012

Das "Gut Edla" in der Marktgemeinde Ferschnitz

Nr. 238 - 15. Mai 1991 - 20. Jahrgang

Das "Gut Edla" in der Marktgemeinde Ferschnitz
(Gottfried Langeder)

Am südlichen Ortsende des Marktes Ferschnitz liegt etwa 300 Meter rechts an der Straße von Ferschnitz nach Senftenegg, eingebettet in eine reizvolle Hügellandschaft und umgeben von einem gepflegten Park, das sogenannte "Gut Edla". Der Ort Edla scheint erst­mals als "Erlach" in einem Wallseer Urbar 1449 mit drei Höfen auf. Im Bruderschaftsbuch der Pfarre heißt es 1460 "zu Erlach" (Erlengehölz). Das "Gut Edla" gleicht heute mit seinen 2 Stockwerken und seiner anspre­chenden Fassade eher einem kleinen Landschloss. Die­ses heutige Aussehen erhielt es um die Jahrhundert­wende, wo ein bewegter Besitzwechsel stattfand und "adelige Herrschaften" den Hof in wechselnder Folge besaßen. In kaum 100 Jahren, von 1844 bis 1938 gab es 19 Besitzer.

In fünf Generationen saßen ab dem Jahre 1700 die Familien der Kaltenbrunner (Kaltenprunner) als Bauern auf dem der Herrschaft Hainstetten gehörenden Bauernhof. Unter Michael Kaltenbrunner und seiner Frau Katharina (geb. Heindl, Fuxlug) gab es 1823 56 Grund­parzellen zu bewirtschaften. Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude war mit dem Hofraum 260 Quadrat­klafter groß.

Wolfgang Krames (1844), Leopold Mauerer (1847), An­ton Hiebl (1858) und Johann Lebhardt (1863) wirtschafteten nur wenige Jahre auf dem Hof. Die nachfolgenden Besitzer, die Familie Pekarek, Anton/Katharina und die Tochter Theresia verkauften die Liegenschaft 1892 an den pensionierten Girobeamten Hugo Hossner, einem Menschen, dem kein Gott und kein Teufel, wie er selber formulierte, Furcht einflößen könne. Er veräußerte den Besitz schon nach vier Jahren an Hans Lorbeer, der seinerseits kaum Geld, dazu aber einen äußerst schlechten Leumund besaß und von seinen Kindern und seiner Frau getrennt lebte.

Zu seinem Glück lernte er beim "Radfahren" die reiche Fabrikan­tenwitwe Melanie Porak kennen, die 400 fl Rente Ein­kommen hatte. Lorbeer versprach ihr die Ehe, und sie zahlte ihm alle Schulden. Das Gut wurde mit dem Geld der Frau elegant eingerichtet. Auch das Haus in Ama­södt Nr. 16 (heute Hülmbauer/Augsten) wurde zuge­kauft. Der Mann spielte den Kavalier. Nach einem Jahr erfuhr die Frau von der früheren Ehe ihres Mannes, kränkte sich sehr und starb im Alter von 35 Jahren. Sie wurde in der Familiengruft in Trumau in O. Böhmen beigesetzt.

Über die nächsten zwei Besitzer, Otto Wichner und Jo­hanna Jany, die das Gut kurzfristig 1899 besaßen, ist nichts bekannt. Ludwig Schulz übernahm 1900 die schwer verschuldeten Gebäude und den herabgewirtschafteten Grund, wollte sofort wieder verkaufen, fand aber so schnell keinen Käufer. Jedenfalls nicht für das leere (ohne Grundbesitz) dastehende Haus Amasödt Nr. 16. Auch die Familie Haberzettl gab nur ein kurzes Gastspiel 1902 in Edla.

Erst Dr. Ritter von Limbeck, ein Advokat aus Prag, er­warb das Gut Edla im Jahre 1903. Die Wirtschaft wurde durch einen Maier verwaltet. Die Familie verbrachte hier nur ihren Sommerurlaub.

Etwas länger, 6 Jahre, blieb Theodor Ritter von Jarsch, kaiserlicher Rat, Generallegat i.R. der Donauschiffahrts­gesellschaft, österr. Lord usw. Als dieser in jungen Jah­ren in Wien 1912 starb, verkaufte die Witwe alles einem „reichen Herrn" aus Sarajevo, namens Beg Biscevec.

Dieser war Mohammedaner. Er kaufte auch das Nach­barhaus Nr. 17 (heute nicht mehr bestehend). Biscevec wurde im Krieg an der Ostfront ausgezeichnet und zum Hauptmann befördert, verkaufte den Besitz am Ende des Krieges 1918, nicht aber ohne der Pfarrkirche eine Spende von 200 Kronen zu hinterlassen.

Neuer Besit­zer wurden Dr. Emil Widmer und seine Frau Marianne. Dr. Widmer war Dir. Stellvertreter der k.k. Bodenkredit­anstalt und machte sich bald sehr verdient um die Elektrifizierung des Marktes.

Nach 10 Jahren zog Dr. Widmer von Edla weg, ver­kaufte die Liegenschaften Nr. 17 und 18 und kam nach St Gallen in die Schweiz, wo er eine Villa um 7 1/2 Milliarden erwarb. Oberstleutnant Franz Wanke wurde 1928 neuer Besitzer von Gut Edla.

Stabile Besitzverhältnisse beginnen 1938 (Einheitswert 1940: 42.900,-RM für 24,64 ha) mit der Familie Friedrich Schaafgotsche; sie blieb bis 1976.

Anschließend folgten Johann Heinrich Tinti (Irene Starhemberg) und seit 1989 Michael Hülmbauer und Theresia, die aber die Landwirtschaft schon seit 1971 durchgehend gepachtet hatten.


1989 wurde der Golfclub Amstetten-Ferschnitz gegrün­det, welcher das heutige "Gut Edla" samt den umliegenden Gründen von Familie Hülmbauer pachtete. Im ersten und zweiten Jahr wurde intensiv an der Neugestaltung des Golfplatzes mit seinen schönen Fairways und Greens, mit Bunkern und zahlreichen Biotopen, und an der Pflanzung vieler heimischer Gehölzer und abwechslungsreicher Buschgruppen gearbeitet. Heuer wurden notwendige Renovierungen an der Bausub­stanz, wie Gewölbe und Fundamente, sowie eine Generalsanierung des alten Stadls vorgenommen. Im Zu­ge der Innenausbauten wurde der Klubraum neu eingerichtet. Gemeinsam mit der Errichtung eines Park­platzes, bei dessen Planung auf viel Grün wertgelegt wurde, wurde auch die Zufahrt zum Haus neu gestal­tet, sodass nun zur bevorstehenden Eröffnung das "Gut Edla" mit seinem Golfplatz in neuem Glanz erstrahlt.

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