Sonntag, 25. Dezember 2011

Die Mariensäule in Wallsee

Figurenbildstock Maria Immaculata
Von Herbert Ortner - Eigenes Werk,
CC BY 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/
index.php?curid=15264379

Heimatkundliche Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Amstetten
Nr. 70 - 1. Februar 1978 - 7. Jahrgang

Die Mariensäule in Wallsee
(verfasst von Theodor Salvator-Habsburg-Lothringen)

Anlässlich der Renovierung der so selten schönen Mariensäule, welche nun seit 256 Jahren den Marktplatz von Wallsee ziert, konnte auch der lateinische Text der Inschriften am oberen Sockel der Statue, der durch fehlerhafte frühere Restaurierungen entstellt war, von Univ. Doz. Dr. Pater Willibrord Neumüller aus Kremsmünster einer genauen Prüfung unterzogen und zur Gänze rekonstruiert werden. Ihm und seinen Mitarbeitern, im besonderen dem mitbeteiligten Abt des Stiftes, Dr. Dr. Albert Bruckmayr, sei im Namen aller Wallseer dafür herzlichst gedankt! Damit kann man wohl die ansonst vom Bildhauer und Restaurator Herrn Alfred Loidl aus St. Pölten durchgeführte Restaurierung als besonders gelungen bezeichnen. Die Mariensäule wurde wieder, im Sinne ihres Stifters, zu einer "heiligen Stätte", zu einem Mahnmal, sie erhielt wieder eine lebendige Aussage durch die vom Stifter selbst verfassten und in Verse gesetzten lateinischen Inschriften.

Geschichtliche Notizen:
Johann Nikolaus Guyard, Freiherr v. Saint Julien, Reichsgraf von und zu Wallsee, geboren 1676, gestorben am 12. (17.) Februar 1728, und dessen Gattin, Susanna Ludovika Gräfin von Hohenfeld, geboren 1678, gestorben 16. Jänner 1754 und vermählt am 26. Juli 1700, waren die Stifter der schönen Mariensäule in Wallsee.
Die Familie Guyard v. Saint Julien stammte aus der Provence in Südfrankreich. Der Großvater des obgenannten Stifters, Heinrich Guyard v. Saint Julien, war, im Jahre 1609 aus Frankreich kommend, in Österreich eingewandert, um in kaiserliche Dienste zu treten. Zunächst Privätsekretär bei Kaiser Rudolph II., dann in gleicher Eigenschaft bei Kaiser Matthias, trat er unter Ferdinand II. in kaiserliche Kriegsdienste, wo er zunächst unter Wallenstein seine großen Fähigkeiten bewies und durch seine Kaisertreue auch nach dem Sturz Wallensteins in die höchsten Stellen aufstieg. In den Reichsfreiherrenstand erhoben, kaufte er 1560 die Herrschaft Nieder-Wallsee und wurde schließlich von Kaiser Ferdinand II. in den Reichsgrafenstand aufgenommen. Sein obgenannter Enkel war Besitzer von Wallsee und hatte insgesamt von seiner Gattin 11 Kinder, von welchen 7 im Kindesalter starben. Im Winter 1709/1710 war nun einer der Söhne so schwer erkrankt - wir wissen nicht welcher, doch kann es sich in erster Linie um Johann Julius, damals achtjährig, vielleicht aber auch um Johann Leopold, erst knapp zweijährig, gehandelt haben -‚ dass man um sein Leben fürchtete. In der Überlieferung spricht man immer wieder von der Pest, wofür aber keinerlei Anhaltspunkt besteht, was doch wohl in diesem Falle bestimmt erwähnt worden wäre. Jedenfalls gelobte Graf Johann Nikolaus, der damals schon 2 Kinder verloren hatte, zur Errettung seines Sohnes in Wallsee eine Marienstatue zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis errichten zu lassen. Als nun tatsächlich die Genesung eintrat, kam es auch zum Abschluss eines Vertrages de dato 17. März 1710 mit dem Wiener Bildhauer Benedikt Schober zur Errichtung dieses Standbildes. Es war ein Preis von 340 Gulden ausgemacht, welcher jedoch um 8 Gulden überschritten wurde. Die Ausführung erfolgte in weißem Eggenburger Sandstein (in der Inschrift wird zwar immer von Marmor gesprochen), der aber leider ziemlich empfindlich ist.
Da Graf Johann Nikolaus überhaupt gern Gedichte und Sprüche in verschiedenen Sprachen schrieb, verfasste er auch die lateinischen Inschriften persönlich.
Vor Errichtung des Denkmales erbat sich der Graf bei dem damals zuständigen Diözesanbischof von Passau ausdrücklich die Erlaubnis, dieses Denkmal zu errichten, die Genehmigung hierfür ist im Wallseer Archiv noch vorhanden, woher auch alle anderen Angaben dieser Niederschrift stammen.

Die Inschriften der Mariensäule
habe ich nun zum allgemeinere Verständnis ins Deutsche übersetzt und die Versform beibehalten:
1.     Nordwest-Seite: 
Mit Deinen Füßen zertrittst Du,
o Königin, Evas, der Todbringenden, Schuld.
Pforte des Heils, sei gegrüßt!
O Jungfrau ohn' Makel, Mutter ohn' Schuld.
Der Unbefleckt-Empfangenen Antlitz herrlich erglänzt,
Jungfrau, auch nach der Geburt bleibst Da Jungfrau
Du schimmerst im Glanze! Reinerer Glanz als sie
wird niemals auf Erden erstrahlen!
Halt ein Deine Schritte, o Wanderer,
wenn Du vorübergehst an heiliger Stätte,
und bringe der Jungfrau von Herzen
stets in Liebe Gebete auch dar!
2.     Nordost-Seite: 
O glücklich und ersehnt zugleich war die Stunde des Heils
da Du, Jungfrau, Du hehre, uns Elenden brachtest DEN TAG!
Sie ist das Heil, sie hat aller Menschen Geschlechter erlöst.
Allen bisher Verdammten ist nun die volle Gnade eröffnetes
Dich verehrt ebenso der Himmlischen Schar,
Dich preis der Erdkreis!
Des Lebens Grund bist Du, o herrliche Himmelsbraut!
Die Leiber, mächtiger Stern, uns're Patronin, bewahre, so bitt ich, die Kranken stärke, beschütze sie, verscheuche das Unheil!
3.     Südost-Seite: 
Andächtig habe ich Dir die gemachten Gelübde erfüllt!
Als Dank für empfangene Gnade preist Dich in Marmor das Werk.
Daher weihe ich Dir meine Wohlerhaltenen Kinder.
Gleichzeitig bitte ich auch: Erhalt meine Habe!
Um das bitt' ich von Herzen: Bleib Patronin des Schützlings,
Deine Gnade allein beglückt den,
der auf Dich seine Hoffnungen setzt!
Das, Du vorn Himmel Erwählte, verleihe:
Dass durch dies hier vollendete Schaustück
das Herz ewiglich die geheiligten Feste begehe.
4.     Südwest-Seite:
O Königin, mit unzähligen Zeichen des Sieges
wärest Du zu umgeben!
Wer aber kann alle Dir gebührenden Ehren erweisen?
Das fast zerstörte Lebensgewebe des Kindes hast Du bewahrt.
Die Fäden des schon aufgegeben Lebens kannst Du wieder knüpfen.
Daher weiht der Vater, Dank sagend für seinen Sohn,
Dir, o Hehre, diese Statue aus Marmor!
Ehrfürchtig setz ich Dir hier, meine heilige Mutter,
die Zeichen des Sieges!
Dank bring ich Dir dar, diese Geschenke weihe ich Dir!


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