Sonntag, 25. Dezember 2011

Die Gemeinde Biberbach

Nr. 76 - 1. August 1778 - 7. Jahrgang

Die Gemeinde Biberbach
(von Volksschuldirektor Adolf Schnaubelt)

Lage und Größe:
Die Gemeinde Biberbach liegt zwischen der mittleren Ybbs und Url, umfasst etwas über 23 km² und hat etwa 350 Häuser mit rund 1800 Einwohnern, gehört zum Gerichtsbezirk St. Peter in der Au und wird heute von den Gemeinden Aschbach, Kematen, Sonntagberg, Waidhofen und Seitenstetten umgeben. Die Post wird hauptsächlich von Seitentetten, im östlichen Teil der Gemeinde aber auch von Aschbach-Markt und Hilm-Kematen und im südlichen Teil vom Postamt Rosenau am Sonntagberg zugestellt.

Entstehung und Geschichte:
Der Kirchort Biberbach wird erstmals 1116 genannt. Damals wurde die Mutterpfarre Aschbach mit ihren Filialkirchen Allhartsberg, Krenstetten und Biberbach dem neugegründeten Stift Seitenstetten übergeben, das seither für die Seelsorge in Biberbach zuständig ist. Die Kirche ist dem hl. Stephanus geweiht. An ihrer Gründung hat also wohl das Bistum Passau mitgewirkt, dessen Domkirche ebenfalls den hl. Stephan zum Patron hat. Da fast zur gleichen Zeit auch die Stephanskirchen Amstetten und Stephanshart erstmal genannt werden, ist es wahrscheinlich, dass die Bischöfe von Passau, die ja auch an der Gründung des Stiftes Seitenstetten beteiligt waren, vor und um 1100 im Bezirk Amstetten eine Welle von Kirchengründungen eingeleitet haben, die auch zur Gründung der Kirche in Biberbach führte.

Eine Kirchengründung setzt schon eine gewisse Besiedlung voraus. Wann aber Biberbach besiedelt wurde ist schwer zu sagen. Bedenkt man aber, dass 933 das nahe Gleiß erstmal sgenannt wird, wobei ausdrücklich vom Beginn der Rodung die Rede ist, und dass damals in Gleiß der Grund gelegt wurde für die späteren Besitzungen der sächsischen Grafen von Seeburg, zu denen auch mindestens zehn Bauernhöfe Biberbachs gehörten, so wird man als Beginn der Besiedlung Biberbachs die Zeit um das Jahr 1000 annehmen dürfen. In den höher gelegenen Gebieten zog sie sich wohl noch länger hin, doch um 1300 muss die Rodung auf dem ganzen Gebiet der heutigen Gemeinde Biberbach einigermaßen abgeschlossen gewesen sein, denn in den Besitzverzeichnissen von Seitenstetten, dem damals schon der Hauptteil von Biberbach unterstand, und von Freising, dem der Südteil gehörte, finden sich um diese Zeit bereits die meisten Hof- und Weilernamen von Biberbach. 1312 wird es daher auch bereits als selbstständige Pfarre bezeichnet.

Eine Katastrophe bedeutete der Türkeneinfall 1529, bei dem Kirche und Dorf angezündet und 43 Personen ermordet wurden. Die Reformationszeit führte zu einem argen Priestermangel, wodurch Biberbach seinen eigenen Seelsorger verlor und nun vom Stift Seitenstetten aus mitbetreut wurde. Es blieb aber Pfarre. Daher beginnen auch in Biberbach die pfarrlichen Matrikenbücher bereits 1620. Von da an ist es möglich, die Besitzerliste der Bauernhöfe und die Familiengeschichte der alt-eingesessenen Geschlechter konsequent zu verfolgen. Ab 1757 hatte Biberbach auch wieder einen ortsansässigen Pfarrer. Unter den Franzoseneinfällen 1800, 1805 und 1809 hatte natürlich auch Biberbach zu leiden, ebenso unter beiden Weltkriegen. Gegen Ende des 2. Weltkrieges gelobte die Pfarre Biberbach eine jährliche Wallfahrt auf den Sonntagberg, wenn im Pfarrgebiet selbst niemand gewaltsam ums Leben komme. Diese Wallfahrt wird bis heute gehalten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Biberbach liegt am Übergang von den letzten Ausläufern der Voralpen zum sanft gewellten Alpenvorland und besitzt schon durch diese Lage, vor allem aber durch den bunten Wechsel von Feldern und Wiesen, größeren und kleineren Wäldern viel landschaftlichen Reiz. Im Ort selbst lenkt die Kirche sofort den Blick auf sich. Das Chorhaupt (Priesterraum) hat ein einfaches Kreuzrippengewölbe und stammt aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts. Über dem Hauptraum stützen auf nahezu quadratischem Grundriss achteckige Säulen ein reiches Rippengewölbe der Zeit um 1500. Bald darauf wurde auch die Orgelempore eingezogen. Im Westen wurde ein massiver Turm angebaut, der im 18. Jh. eine barocke Zwiebelhaube erhielt. Die Kircheneinrichtung ist größtenteils spätbarock. Den Hochaltar schmückt ein hervorragendes Bild des Kremser Schmidt (1792), das die Steinigung des Kirchenpatrones Stephanus darstellt. Die zwei Seitenaltäre zieren Gemälde des Malers Johann Georg Staindorfer aus Garsten bei Steyr (1681),

Sehenswert ist auch der Pfarrhof, 1760/1763 nach einem Entwurf des Seitenstettner Kämmerers P. Joseph Schaukegl erbaut. Seine schlichte Fassade mit dem betonten Dreiecksgiebel zeigt deutlich eine Abkehr vom Barockstil und eine Hinwendung zur "edlen Einfalt und stillen Größe" der Klassik.

P. J. Schaukegl entwarf auch die Nebengebäude zum Pfarrhof, von denen heute nur mehr ein Schuppen steht, und eine Schule, die 1762 in nächster Nähe der Kirche erbaut wurde. 1795 wurde das alte Mesnerhaus als Schule eingerichtet. Es brannte aber 1864 ab, worauf das heutige, seither freilich oft umgebaute Schulgebäude errichtet wurde. Heute nimmt es vier Klassen der Volksschulunterstufe auf, während die Oberstufe 1970 aufgelassen wurde. Seither besuchen die 10- bis 14- jährigen Schüler die Hauptschule in Aschbach, Rosenau, Gleiß und Seitenstetten. Inzwischen wurde auch ein Kindergarten erbaut.

In Biberbach ist auch ein Arzt ansässig. Es hat eine Feuerwehr und Musikkapelle. Heute zählt es auch zwei Künstler zu seinen Bürgern, die weit über ihre Heimat hinaus bekannt sind: den Mundartdichter Rudolf Alberer am Rechtlehen, dessen Gedichtband "Herentern Sunntaberg" 1973 in Wels erschien und dessen Weihnachtsspiel auch das Fernsehen zeigte, und den Akademischen Maler Professor Adalbert Schlager an der Oismühle, den Obmann des Bundes der Künstler und Kunstfreunde des Bezirkes Amstetten, dessen Werke schon in vielen Ausstellungen zu sehen waren und in Museen Aufnahme fanden.

Landwirtschaft und Gewerbe:
Die Landwirtschaft verliert auch hier an Bedeutung und wird oft nur mehr als Nebenerwerb betrieben. In höheren Lagen wurde der Ackerbau fast ganz aufgegeben. Dass aber die Landwirtschaft immer noch eine große Rolle spielt, zeigt der große Neubau der Genossenschaftsfiliale am Ostrand des Ortes. Als Industriebetrieb kann man nur die Papierfabrik Sonnberger in der Oismühle bezeichnen, die mit rund 30 Arbeitern jährlich etwa 2.000 Tonnen Spezialpapier erzeugt. Viele Biberbacher aber suchen Arbeit in auswärtigen Betrieben, vor allem im Ybbstal. Damit sie nicht ganz abwandern, fördert die Gemeinde sehr den Wohnbau. Auch der Fremdenverkehr spielt in dem schmucken Ort eine zunehmende Rolle. So wird sogar der Seitenstettner Maturaball in Biberbach gehalten.


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