Sonntag, 15. Juni 2014

Gemeinde Wolfsbach (Teil 2)

Heimatkundliche Beilage zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Amstetten
Nr. 68 – 1. Dezember 1977 – 6. Jahrgang

Gemeinde Wolfsbach
(verfasst von Oberstudienrat Dr. Rosine Schadauer)

Im September 1532 dagegen nahm eine Abteilung türkischer Soldaten bei ihrem Vorstoß nach dem Westen ihren Weg über Aschbach und Wolfsbach, wo sie die Pfarrhöfe niederbrannten. Demnach war der Pfarrhof von Wolfsbach in drei Jahren zweimal zerstört worden. Es lässt sich leicht abschätzen, welche Bedrängnisse durch Raub, Mord, Brand und Verschleppung von Menschen über die Heimat und damit auch über den Heimatort gekommen sind. Eine dritte und letzte Bedrohung durch den türkischen Erbfeind brachte das Jahr 1683. Wolfsbach blieb aber diesmal von Mord und Verwüstung verschont, während die Türken südlich von Amstetten barbarisch hausten.

An die Türkengefahr erinnern noch immer Bildstöcke und Gedenkkreuze. Durch Jahrhundert erklang vom Turm um elf Uhr ein Gedenkläuten, und noch lange sangen die Wolfsbacher bei der Prozession an den Bittagen: „Höhre gnödig uns’re Bitten, wende ab von uns’ren Hütten Krankheit, Krieg und Türkennot, gib uns unser täglich‘ Brot“!

Nachdem der Pfarrhof von Wolfsbach 1640 ein drittes Mal abgebrannt und wieder errichtet worden war, begann die von da ab ununterbrochene Führung von Matriken. Gleich im ersten Jahr wurden vierzehn Taufen, drei Trauungen und 38 Sterbefälle eingetragen.

Der österreichische Erbfolgekrieg (1741-1748)

... brachte nach langen Jahren einer ruhigen Entwicklung (1683-1741) neue Bedrängnisse.  Bayern und Franzosen machten Maria Theresia ihr Erbe streitig; daraus entsprang der Erbfolgekrieg. Im Herbst 1740 wurde Wolfsbach vom Feind besetzt. Er verlangte ohne Rücksicht auf die Größe und den Bedarf der Höfe ungeheure Lieferungen an Naturalien: von jedem Hof 2 Metze Korn und Hafer, je 10 Bünde Heu und Stroh; je 10 Häuser mussten einen Ochsen abliefern. Dazu mussten noch Soldaten in Kosten und Quartier genommen werden. Auch zu den Kontributionen der Klöster und Gutshöfe musste die Bevölkerung ihren Teil beisteuern. Die Bayern erhoben übrigens diese harten Forderungen nur unter dem Druck der Franzosen, und zwischen ihnen und der Bevölkerung stellte sich sogar ein gegenseitiges Vertrauen ein. Mitte Oktober marschierten die Feinde in österlicher Richtung ab. Als aber bald darauf ein Teil der Feinde, vorwiegend Franzosen, zur Besetzung Oberösterreichs den Rückmarsch antrat, ergaben sich häufigere und grausamere Übergriffe als beim Hinmarsch. Die Forderungen der Feinde waren so maßlos, dass die Ausgebeuteten selbst den größten Mangel litten. Plünderung, Brandschatzung und Bedrohung der Menschen waren an der Tagesordnung. Der mühsame erarbeitete Wohlstand war auf Jahre hinaus vernichtet.

Der Rückmarsch der Franzosen in den ersten Novembertagen artete fast in eine wilde Flucht aus, denn die Soldaten Maria Theresias folgten ihnen auf dem Fuße. Das Armeekorps Khevenhüller zählte 1600 Mann; es wurde verstärkt durch die wilden Panduren. In der Advents- und Weihnachtszeit 1741 sammelte es sich im Raum von Wolfsbach und Aschbach zum Gegenangriff, der nach dem Übergang über die Enns einen für Österreich günstigen Verlauf nahm.

Die Franzosenkriege

Nach kaum 40 Jahren Frieden trat Österreich wieder in eine kriegerische Phase ein, die mit Unterbrechungen 22 Jahre dauert. Diese Kriege standen im Zeichen Napoleons, und Österreich hatte in ihrem Ablauf die Hauptlast zu tragen. Für Wolfsbach sind die Jahre 1800/1801 und 1805 gekennzeichnet durch feindliche Invasion. Am Heiligen Abend 1800 räumten nach mehreren Niederlagen die österreichischen Truppen den Westen des Bezirkes, und noch am selben Tag folgte der Feind. Am Christtag kam ein Waffenstillstand zustande, die Franzosen bezogen aber Quartier über den Winter. Über ihr Verhalten liegen widersprüchliche Berichte vor. Auch in der damals selbstständigen Gemeinde Bubendorf hat es Einquartierung gegeben. Zwischen dem 16. Und 20. März 1801 setzten sich die Franzosen zum Heimmarsch in Bewegung.

Im Frühling wie im Sommer 1809 erlebte Wolfsbach den Durchmarsch siegestrunkener und gewalttätiger Soldaten. Dazwischen lagen der Sieg der Österreicher bei Aspern und ihre Niederlage bei Wagram. Was unser Heimatort in diesem Jahre durch Plünderung zu leiden hatte, fällt umso schwerer ins Gewicht, als die Bevölkerung durch die vorausgegangene Invasion bereits ausgebeutet und ausgeplündert war. Der Pfarrer von Wolfsbach, Florian Nasinger, war von den Franzosen so misshandelt worden, dass er in Persenbeug, wohin er sich zur Operation begeben hatte, an Brustkrebs starb.

Wenn man die dichte Aufeinanderfolge feindlicher Einfälle vom Beginn des 16. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bedenkt, verzeichnet man mit Genugtuung die Tatsache, dass von 1809 bis 1945 kein Feind die Heimat verheerte.

1733 wurden die Länder in Bezug auf das Heerwesen in Werbungsbezirke eingeteilt. Jedes Kronland der Monarchie hatte eine bestimmte Anzahl von Soldaten zu stellen. Für die Regelung der Truppenaushebungen wurden ab 1754 Volkszählungen durchgeführt. Unsere Heimat gehörte zum Werbebezirk des Regiments Nr. 49. Eine allgemeine Wehrpflicht bestand noch nicht. Eine Anzahl von Ständen und Berufen musste keinen Heeresdienst leisten. Maßgebend für die Freistellung war, welchen Nutzen ein Stand für den Staat abwarf. Folglich blieb der Dienst im Heer an den Söhnen der Bauern und Häusler, bestimmten Handwerkern und an den Knechten hängen. In Friedenszeiten waren Verheiratete vom Wehrdienst möglichst ausgenommen. Dies war in manchen Fällen ein Anstoß zu Frühehen. Der Wehrdienst war zeitlich nicht befristet. Gefallene Soldaten blieben nicht selten verschollen. Im Zusammenhang mit der Einrichtung von Werbebezirken kam es auch zur ersten Nummerierung der Häuser und zu einem neuen Steuersystem.

Für die vorangegangene Zeit war der Zehent charakteristisch gewesen. Der Besitzer des Gasthauses Nr. 2 in Wolfsbach behob früher von mehreren Bauernhöfen den Zehent, den der Eigentümer dieses Hauses im Jahre 1691 von der Herrschaft Erlakloster käuflich an sich gebracht hatte, daher der Name „Zehenthof“ (heute Gasthof Templmaier).

Zur Verbesserung des Steueraufkommens, das wiederum der Erhöhung der militärischen Schlagkraft dienen sollte, führte Maria Theresia eine Steuerregelung durch (1749-1754), kurz „Theresianische Fassion“ genannt. Diese sorgte für eine gerechte Besteuerung, bewährte sich und blieb daher 70 Jahre in Geltung.
2 ortsansässige und 3 auswärtige Schätzer stuften den bäuerlichen Besitz ein, versahen ihn mit topographischen Nummern und trugen ihn in die Rustikalfassion ein.

Das Jahrhundert zwischen den Franzosenkriegen und dem Ersten Weltkrieg (1814-1914)

Wie es um Wolfsbach im vorigen Jahrhundert bestellt war, zeigen uns Schweickhardt in seiner „Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns“ für das Jahr 1837 und Schwetter in seinem „Heimatbuch der k.k. Bezirkshauptmannschaft Amstetten“ für das Jahr 1884. Dazu muss bemerkt werden, dass die heutige Gemeinde Wolfsbach bis zum Jahr 1939 aus den 3 Gemeinden Wolfsbach, Meilersdorf und Bubendorf bestand. Die Rotten Bubendorf und Meilersdorf hatten auch schon früher zur Gemeinde Wolfsbach gehört, wurden aber von ihr im Jahr 1800 getrennt und zu selbstständigen Gemeinden erhoben; so blieb es aber nur bis 1810.

Es mochte einige Jahrzehnte gedauert haben, bis sich Wolfsbach von der mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Belastung der Franzosenkriege erholt hatte.

Es waren ja nicht nur jene Lasten fühlbar gewesen, die mit Truppenbewegungen, militärischer Besetzung und Kämpfen unweigerlich verbunden sind; vielen Familien waren Söhne, Väter und Gatten entrissen worden, oder diese waren als Versehrte zurückgekommen.

Die Zeit nach 1815 war nicht wie die Zeit nach 1945 gekennzeichnet durch den Willen, die Schäden des Krieges zu beheben und die Entwicklung voranzutreiben. Die große Leistung dieser Zeit, die Kultur des Biedermeier, fand nicht den Weg vom gehobenen Bürgertum der Städte zum schlichten Landvolk. Und doch fehlte diesen einfachen Bauern und Handwerkern nicht der Sinn für das Schöne und die Freude an ihm. Unsere volkskundlichen Museen bergen eine Fülle von Gütern, die zeigen, dass das Landvolk des vorigen Jahrhunderts nicht nur einen ausgeprägten guten Geschmack hatte, sondern auch die Fähigkeit, sein schlichtes handwerkliches Tun in die Nähe der Kunst zu rücken. Dieses Bemühen fand seinen Niederschlag in Häusern und Hausrat, in Arbeitsgerät und Kleidung.

Fast unerschöpflich ist die fülle an Brauchtum, das sich um die Feste im Jahreslauf rankt und der beschwerlichen  Arbeit Sinn und Weihe gab Diese Arbeit war voll Mühsal, sie forderte die ganze Kraft. Die Ansprüche, die die bäuerlichen Menschen an das Leben stellten, waren bescheiden. Die sozialen Schranken, die Bauern, Handwerker, Häusler und Dienstboten voneinander schieden, waren schwer zu überwinden. Die Möglichkeit, zu einer selbständigen Existenz zu gelangen, war fast nur den Erben der Bauern und der Gewerbetreibenden gegeben. Mehr als der Hälfte der Bevölkerung fehlte jene soziale Sicherheit, die die Gründung einer Familie ermöglichte.

Für das Alter gab es bei jenen, die keine Heimstatt besaßen, weder eine dauernde Unterkunft noch ein gesichertes Brot. Nach einem Bericht aus dem Jahre 1879 befand sich in Wolfsbach allerdings ein Armenhaus. Alte Dienstboten, die zur Arbeit nicht mehr kräftig genug waren, zogen aber vielfach als „Quartierter“ von Haus zu Haus, ihre armselige Habe auf einer „Radeltrag“ mit sich führend. Die unverheirateten Geschwister von Bauern oder Bäuerin gaben meist unbezahlte Dienstboten ab, die im Alter oft nicht gut versorgt waren.

Schweickhart berichtet, dass es in Wolfsbach 1837 zahlreiche Grundherrschaften gibt, „welche die hausten Unterthanen und Grundholden besitzen“. Tatsächlich waren es insgesamt 27 verschiedene Grundherrschaften, die aber in den drei Rotten in wechselnder Zusammenordnung vertreten waren, sodass auf Wolfsbach 15, auf Meilersdorf 14 und Bubendorf 13 entfielen. Die folgende Darstellung führt sie in alter Schreibung an:

Wolfsbach: Ensegg, Erla, St. Georgen am Ybbsfeld, Seitenstetten, Pantaleon, Kröllendorf, Schloss Steyer, Perwarth, Sooß, Wolfpassing, Rohrbach, Salaberg, Pfarre Wolfsbach, Pfarre Waidhofen, Dechantei Freistadt

Meilersdorf: Ensegg, Erla, St. Peter, Seitenstetten, Burg Ens, Kröllendorf, Schloss Steyer, Gleink, Sooß, Dorf an der Ens, Truentenstift Steyer, Salaberg, Pfarre St. Georgen, Pfarre Waidhofen

Bubendorf: Gresten, Gleiß, St. Pantaleon, Seitenstetten, St. Peter in der Au, Kröllendorf, Hagberg, Feiregg, Sooß, Burg Ens, Gleink, Salaberg, Pfarre Waidhofen


Von der Landschaft einer jeden Rotte gibt Schweickhardt eine gewinnende Beschreibung, die im Ganzen ein gleiches freundliches Bild bietet: „Die Lage von Wolfsbach besteht aus mehreren namenlosen Hügeln, Thälern und ebenen Strecken, wobei die Gegend durch die bunte, äußerst anmuthige Abwechslung mit Feldern, Wiesen und kleinen Gehölzern, gleich wie künstlich angelegt englische Partien, einen romantischen Charakter enthält“. Es werden alle Getreidegattungen, vorwiegend aber Weizen und Korn angebaut. Diese Tätigkeit wie der Obstbau „werden in vorzüglichen Grade betrieben“.
Er rühmt das „ganz vortreffliche“ Klima und Wasser, den Reichtum an Wild, verweist aber drauf, dass die Fischerei ganz unbedeutend sei. Eine Zusammenfassung der Angaben für die einzelnen Gemeinden ergibt für ganz Wolfsbach die folgende Statistik:


Wolfsbach
Meilersdorf
Bubendorf
Summe
Häuser
96
103
95
294





Familien
126
122
113
361
Männer
313
312
261
886
Frauen
317
330
264
911
Schulfähige Kinder
99
54
71
224





Pferde
112
115
76
303
Ochsen
40
59
137
236
Schafe
168
222
343
733
Schweine
160
180
250
590
Kühe
339
356
-
695





Bäcker
1
-
1
2
Hufschmied
2
1
1
4
Schuhmacher
2
2
1
5
Schneider
1
1
1
3
Weber
-
3
2
5
Wagner
1
1
-
2
Tischler
-
1
-
1
Binder
-
1
-
1
Wirt
3
-
-
3
Fleischhauer
1
-
-
1
Krämer
1
-
-
1
Sattler
1
-
-
1
Chirurg
1
-
-
1



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